Das Präventionsprogramm der BGN für an Bäckerasthma /-schnupfen erkrankte Bäcker und Konditoren, die im Beruf bleiben wollen

 

Die BGN will Bäcker und Konditoren unterstützen, die trotz einer Erkrankung der Atemwege, wie z.B. Bäckerasthma oder Bäckerschnupfen, ihren Beruf nicht aufgeben wollen oder können. Dazu wurde ein mittlerweile etabliertes Vorbeugeprogramm entwickelt, mit dem bei den Erkrankten eine Erfolgsquote von über 80 % erreicht werden konnte (Erfolg heißt: deutlich verminderte oder gar keine Beschwerden mehr, so dass der Beruf weiterhin ausgeübt werden kann).
Das Programm umfasst mehrere Module und berücksichtigt ganzheitlich die spezielle Berufssituation von Bäckern und Konditoren.

Wer kann teilnehmen? Alle von oben genannten Krankheiten betroffenen Mitglieder/ Versicherte aus dem Backgewerbe, die in der Produktion tätig sind und im Beruf bleiben wollen. Die Teilnahme ist kostenlos.
Wichtig ist: Die Teilnahme ist freiwillig und weder durch die Teilnahme noch durch das Ausscheiden aus dem Programm können dem Betroffenen versicherungsrechtliche Nachteile entstehen.

Im Folgenden wird kurz der Verfahrensablauf geschildert:

Die BGN benötigt eine Meldung. Diese kann über eine Berufskrankheiten-Anzeige durch einen Arzt, eine Krankenkasse oder direkt durch den Unternehmer bei der zuständigen Bezirksverwaltung der BGN erfolgen. Versicherte können sich bei Fragen zu einer Berufkrankheit auch direkt zur Beratung an unsere Präventionssprechstunde wenden.

In einem Erstgespräch mit dem Betroffenen klärt ein/e MitarbeiterIn der BGN die Grundvoraussetzungen ab und gibt erste Informationen zum weiteren Ablauf.
Nach Terminvereinbarung und auf Wunsch des Betroffenen gibt es als nächstes ein Erstgespräch vor Ort in der Bäckerei. Ein Arzt und ein Fachmann für Backtechnik nehmen die medizinische Vorgeschichte auf und besichtigen den Arbeitsplatz. Bei dieser Gelegenheit werden eine umfassende Aufklärung zum weiteren Verfahrensverlauf, medizinische Ratschläge zu Verhalten und Medikamenteneinnahme und Tipps vom Techniker zu Verbesserungsmöglichkeiten bei der täglichen Arbeit gegeben. Der betroffene Bäcker bekommt seine meist umfangreichen Fragen beantwortet.

Als nächstes folgt in den meisten Fällen die "Risikozustandsanalyse", kurz RZA, nach vorheriger Terminabsprache. Dieses Modul ist das Herzstück des Präventionsprogramms und besteht aus umfangreichen Untersuchungen eines/r von der BGN beauftragten Arztes/Ärztin und eines Technikers während der Arbeit des betroffenen Bäckers. Die Untersuchungen erfolgen im Verlauf einer normalen Arbeitsschicht in der Bäckerei. Unsere Mitarbeiter und Dienstleister achten dabei besonders darauf, den Backbetrieb möglichst wenig zu stören, denn es ist im Interesse der Untersuchung, die Befunde während eines möglichst normalen Arbeitsablaufes zu erheben.

Nach dem Eingang der Untersuchungsdaten bei der BGN erfolgt eine Nachbesprechung mit Arzt und Techniker in der Bäckerei. Die Ergebnisse werden erläutert und gemeinsam Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert. Falls der betroffene Bäcker nicht selbst der Unternehmer sondern Angestellter ist, sollten alle bisherigen Schritte unter Einbeziehung des Vorgesetzten ablaufen, damit der Unternehmer bzgl. der Problempunkte informiert ist und seine Unterstützung einbringen kann.
Dabei achten wir natürlich auf die Wahrung der ärztlichen Schweigepflicht in Bezug auf medizinische Daten.

In der zweiten Stufe wird der betroffene Bäcker oder Konditor zu unseren Gesundheitsseminaren eingeladen. Diese finden mit höchstens 8 Teilnehmern an zwei Wochenenden jeweils von Samstag Nachmittag bis sonntags gegen 17:00 Uhr statt. Übernachtung, Mahlzeiten und Fahrtkosten werden von der BGN getragen. Die Seminare gliedern sich in einen psychologischen, einen technischen und einen medizinischen Teil inklusive praktischen Übungen zur Inhalation und Atemtechnik. Besonders eingegangen wird auf folgende Themen:

Die Krankheit verstehen und selbst steuern lernen
Medikamente richtig einsetzen
Mit Belastungen und Stress richtig umgehen
Verbesserungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz und im Arbeitsverhalten kennen lernen
Austausch mit ebenfalls betroffenen Berufskollegen

Alle Seminarteile sind ganz auf den praktischen Berufsalltag eines Bäckers abgestimmt.

Im weiteren Verlauf spielt die Nachbetreuung eine wichtige Rolle. Unsere Fachleute (Ärzte, Techniker, Psychologen) stehen auch weiterhin bei auftretenden Problemen zur Verfügung.
Es finden regelmäßige so genannte "Bäckersprechstunden" statt.

Nach etwa zwei Jahren werden die Betroffenen zu einem Auffrischungsseminar an einem Wochenende eingeladen. Hier soll Wissen aufgefrischt, die Umsetzung von bisherigen Präventionsmaßnahmen besprochen, neu aufgetauchte Fragen beantwortet und der Erfahrungsaustausch gepflegt werden.