LKW-Verladung

… aber nicht beachtete Gefährdungen verhindern oft eine reibungslose LKW-Verladung

von Werner Fisi und Wolfgang Streit | aus Akzente

LKW-Verladung

An Laderampen herrschen oft Hektik und Zeitdruck. Der Druck und die Probleme werden noch größer, wenn beim Be- und Entladen des LKWs etwas passiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Störungen und Unfällen an der Verladestation kommt, ist groß. Es gibt hier viele Gefährdungen. Nur wer seine Abläufe gut plant und organisiert, behält alles im Griff. Ansonsten geht es ihm wie Fred M.und Daniel B.

LKW-Fahrer Fred M. erledigte im Lagerbüro die Formalitäten. Sein LKW wurde an der Andockstation eines Teigwarenherstellers durch das Lagerpersonal beladen. Als er zurückkam, wollte er prüfen, ob die Ladearbeiten abgeschlossen waren. Da der Lkw dicht angedockt war, konnte er den Aufbau nicht einsehen. Er rief einige Male nach Daniel B., der die Ladearbeiten durchführte. Er erhielt keine Antwort. »Die werden wohl fertig sein«, dachte Fred M. Er bestieg den Lkw und startete, um wenige Meter vorzufahren und die Türen des Aufbaus zu schließen. Fred M. ahnte nicht, dass Daniel B. kurz zuvor den Aufbau betreten hatte. Als Fred anfuhr, passierte es: Der Lagerarbeiter fiel vom LKW. Er zog sich schwere Verletzungen zu.

Derartige Unfälle ereignen sich immer wieder in Verladezonen wie z. B. Ladehallen oder Andockstationen. Verladezonen sind die Schnittstellen zwischen interner und externer Logistik. Da kann von beiden Seiten alles gut organisiert und geplant sein und doch kommt es zu Störungen oder gar Unfällen. Ein reibungsloses Verladen kann durch viele Gefährdungen verhindert werden.

Wie können Gefährdungen erkannt werden?
Wie können Gefährdungen und Schwachstellen beim LKW-Verladen rechtzeitig erkannt und beseitigt werden? Eine Hilfe hierbei bietet die Gefährdungsbeurteilung, mit der Gefährdungen ermittelt und Schutzmaßnahmen erarbeitet werden können. Im Folgenden sind einige Lösungen beschrieben, mit denen vorausschauend Schwachstellen und Gefährdungen bei Arbeiten in der Verladezone beseitigt werden können. Die Beispiele sollen Betriebe anregen, gute Lösungen für den eigenen Betrieb zu finden.

Wodurch können beim Verladen Gefährdungen entstehen?
Um die Gefährdungen bei der LKW-Verladung erkennen zu können, hilft die folgende Systematik von Gefährdungsschwerpunkten:

Sowohl Beschäftigte aus dem eigenen Unternehmen als auch aus anderen Unternehmen sind in Verladezonen tätig. Die Organisation der Arbeiten dieser Beschäftigten sowie die Informationen und Hilfsmittel, die ihnen zur Verfügung stehen, entscheiden fast immer darüber, ob Gefährdungen bei der LKW-Verladung entstehen oder nicht.

Problem: Rückwärtsfahren, Rangieren und
Bei der LKW-Verladung können Beschäftigte von einem LKW oder Gabelstapler angefahren bzw. überfahren werden. Diese Gefährdung ist beim Rückwärtsfahren, aber auch beim Rangieren und Kuppeln von Fahrzeugen besonders häufig. Oft hat der Fahrzeugführer nur eingeschränkte Sicht auf den Fahrbereich.

Um diese Gefährdungen weitgehend zu vermeiden, sollte insbesondere der Aufenthalt von Personen in Verladezonen auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden. Zu empfehlen sind auch technische Lösungen zur Überwachung und Sicherung des Rückraumes beim Rückwärtsfahren: z. B. Kameras, Signalanlagen, Überwachungseinrichtungen, Zusatzbeleuchtung, Zusatzspiegel. Im Einzelfall kann es auch erforderlich sein, dass ein Mitarbeiter einen LKW-Fahrer beim Rückwärtsfahren einweist.

Es ist außerdem zu organisieren, dass nur geeignete, ausgebildete und beauftragte Personen die LKW und Gabelstapler bedienen. Ein unbefugtes Benutzen von Transportmitteln ist zu verhindern – zum Beispiel durch die Anweisung, dass die Fahrer die Zündschlüssel immer abziehen.

Rückspiegel
Belastungen & Gefährdungen
Weitere mögliche Belastungen und Gefährdungen beim Be- und Entladen des LKWs

Gefahrstoffe

Insbesondere in Ladehallen können giftige Gase (CO) oder Dieselmotoremissionen eingeatmet werden.
  • Mögliche Maßnahme: geeignete Lüftung, Dieselpartikelfilterl

Lärm

Beim Verladen von Ladegut kann der allgemein vorherrschende Lärm der Arbeitsumgebung bzw. durch fahrzeuginterne Kompressoren und laufende Hilfsaggregate wie Kühlaggregate und spezielle Ausrüstungsteile hoch sein.
  • Mögliche Maßnahme: lärmgeminderte Kompressoren, Gehörschutz

Termindruck

In Verladezonen sind Ladepersonal und Fahrer enormem Stress durch Termindruck ausgesetzt. Dies kann neben der gesundheitlichen Belastung auch zu Fehlverhalten, schlechter Koordination der Arbeiten oder mangelhafter Kommunikation führen.
  • Mögliche Maßnahme: Organisation der Abläufe verändern

Kälte und Zugluft

Eine Gesundheitsgefährdung kann an diesen in der Regel offenen Arbeitsplätzen durch Kälte und Zugluft verursacht werden.
  • Mögliche Maßnahme: selbstschließende Türen und Tore in Ladehallen, geeignete Kleidung

Schließlich sind die gute Information und Unterweisung der Beschäftigten das A und O für ein produktives und sicheres Verladen von LKW. Die Führungskräfte weisen auf die Gefährdungen beim Rückwärtsfahren, Rangieren und Kuppeln hin. Außerdem sorgen sie dafür, dass die entsprechenden Betriebsanweisungen im Verladebereich ausgehängt sind.

Problem: Kuppeln
Um die Gefährdungen beim Kuppeln zu verringern, ist im Unternehmen neben den Maßnahmen zum Rückwärtsfahren zusätzlich Folgendes zu organisieren:

Problem: Umgang mit Ladegut
Eine weitere Gefährdung besteht bei der LKW-Verladung durch herabfallendes Transportgut von Staplern oder Fahrzeugen. So verschieben sich beispielsweise immer wieder nicht ausreichend gesicherte Getränkebehälter durch die Fahrbewegungen und fallen von der Palette. Das Ladegut ist deswegen ausreichend zu sichern. Getränkebehälter können zum Beispiel mithilfe von zwei Kunststoffbändern gesichert werden – statt wie oft gesehen durch ein Band.

Können Lasten auf den Fahrer von Gabelstaplern herabfallen, ist ab einer Hubhöhe von 1,80 m ein Lastschutzgitter bzw. Fahrerschutzdach erforderlich.

Problem: Laderampen und -brücken
Zu schwerwiegenden Verletzungen kommt es auch immer wieder dadurch, dass Gabelstapler von Laderampen oder Ladebrücken kippen oder abstürzen. Hier gilt auch: Beschäftigte gut unterweisen, geeignete Fahrzeugführer einsetzen, Verkehrswege kennzeichnen und beleuchten und für eine klare Verkehrsführung sorgen.

An Laderampen und -brücken ist auch darauf zu achten, dass Quetsch- und Scherstellen vermieden werden – zwischen Ladebrücken und angrenzenden Bauteilen, zwischen Ladebrücken und Ladeflächen von Fahrzeugen.

Dies kann geschehen durch

Die Quetschgefahr beim Andocken kann auch durch bauliche Maßnahmen vermieden werden, durch die die Beschäftigten quasi gezwungen werden, die Sicherheitsabstände einzuhalten. Bauliche Maßnahmen können zum Beispiel sein:

Problem: Gestaltung der Verkehrswege
Wichtig ist auch die Gestaltung der Verkehrswege. Auf ungeeigneten oder zugestellten Verkehrswegen kommt es immer wieder zu Unfällen und Störungen. Worauf jedes Unternehmen achten sollte, um Gefährdungen in Verladungzonen zu vermeiden:

Schwachstellen sind auch Türen, Tore und Kreuzungen. Deswegen sollte in der Nähe von Türen und Toren, an Durchgängen und in Kreuzungen für eine freie Sicht auf Verkehrswege gesorgt werden.

Problem: schlechte Kommunikation
Wie hätte Daniel B.s Unfall verhindert werden können? Daniel B.s Unfall hatte mehrere Ursachen, vor allem aber eine wesentliche, die hinter sehr vielen Unfällen verborgen ist: Ein Kommunikations- und Abstimmungsproblem zwischen Fahrzeugführer und Lagerpersonal. Wäre vorher eindeutig geregelt und abgesprochen worden, wie die Kommunikation zwischen den Beteiligten abläuft, wäre dieser Unfall nicht passiert. Es hätte organisiert werden müssen, dass sich Lagerpersonal und Fahrer über eine Gegensprechanlage, über Funk oder über Sichtkontakt verständigen.

Oft wird aber wegen des Zeitdrucks, aus Bequemlichkeit, wegen schlechter Organisation oder wegen aller dieser Gründe kein Wert auf gute Absprache gelegt. Das wird vor allem dann problematisch, wenn es um die Zusammenarbeit von mehreren Unternehmen geht. Gerade an Schnittstellen von Unternehmen ist auf die Regelung klarer Kommunikation besonderen Wert zu legen.

Das vorzeitige Entfernen von Fred M.s Fahrzeug von der Ladestelle hätte auch noch durch weitere Maßnahmen verhindert werden können, wie zum Beispiel:

 

Ladevorgang

 

Autor: Fisi
Autor: Streit