Anhang 12: Merkblatt "Sichere Benutzung von Flüssiggas-Flaschenanlagen"

Merkblatt

Sichere Benutzung von Flüssiggas-Flaschenanlagen

Die nachfolgenden Anforderungen sind eine Zusammenfassung der wesentlichen Inhalte aus den oben genannten Vorschriften und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. In jedem Fall sind die erforderlichen Maßnahmen vor Ort auf die zu betrachtende Flüssiggasanlage abzustimmen.

1. Organisation
1.1 Gefärdungsbeurteilung durchgeführt und dokumentiert
1.2 Zoneneinteilung durchgeführt und Explosionsschutzdokument erstellt
1.3 Betriebsanweisung am Arbeitsplatz vorhanden
1.4 Unterweisung der Beschäftigen durchgeführt und dokumentiert
1.5 Prüfbescheinigung am Arbeitsplatz vorhanden
1.6 Nur geprüfte Flüssiggasanlagen benutzen
1.7 Feuerlöscher mit geeignetem Löschmittel (z.B. Brandklassen A,B,C) bereitgestellt
   
2. Aufstellung Flüssiggasanlage
2.1 Nicht öffentlich zugänglich oder
2.2 Sicherheits-, Regeleinrichtungen und Stellteile an der Versorgungsanlage (u.a. Flaschenabsperrventil, Druckregelgerät) gegen unbefugten Zugriff Dritter gesichert; z.B. durch verschlossenen Flaschenschrank oder verschlossene Schutzhaube oder
2.3 Ständige Beaufsichtigung; z.B. durch einen Beschäftigten
   
3 Dimensionierung Flaschenanlage
3.1 Maximal 8 Flaschen zur gleichzeitigen Gasentnahme angeschlossen
3.2 Ausreichend dimensioniert gemäß den unterschiedlichen Entnahmeleistungen der Flaschengrößen mit 5, 11, 33 kg Füllgewicht; z.B. einzelne Flasche mit entsprechend großem Inhalt oder Mehrflaschenanlage
   
4. Aufstellung Flaschen
4.1 Flaschen aufrecht stehend angeschlossen
4.2 Standsicher; z.B. ebene Aufstellfläche und gegen Umfallen gesichert
4.3 Gegen zu hohe Erwärmung (> 40 °C) geschützt
4.4 Mindestabstände von 0,7 m zu Heizgeräten, Feuerstätten etc. eingehalten
4.5 Flaschenabsperrventile leicht zugänglich erreichbar
   
5. Aufstellung Flaschen im Freien
5.1 Schutzbereiche eingehalten - innerhalb der Schutzbereiche keine Zündquellen, keine tiefer gelegene Bereiche, keine brennbaren Stoffe vorhanden
5.2 Bei Aufstellung in Flaschenschränken:
  • Flaschenschrank aus nicht brennbarem Material, z.B. verzinktes Stahlblech
  • Flaschenschrank mit Lüftungsöffnungen im Boden- und Deckenbereich von mind. 100 cm²
  • Flaschenschrank verschlossen
  • Keine Zündquellen im Flaschenschrank vorhanden (z.B. elektrische Heizlüfter)


Schutzbereiche Flüssiggasflaschen
   
6 Aufstellung Flaschen in Arbeitsräumen, z.B. Stände, Zelte, Küchen
6.1 Max. zwei Flaschen bis jeweils 14 kg Füllgewicht pro 500 m³ Raumvolumen oder
6.2 Max. eine Flasche bis 33 kg Füllgewicht pro 500 m³ Raumvolumen
6.3 Schutzbereiche eingehalten - siehe Abschnitt 5.1
   
7 Aufstellung Flaschen in Fahrzeugen bzw. Anhängefahrzeugen
7.1 Max. 4 Flaschen bis jeweils 14 kg Füllgewicht oder
7.2 Max. 2 Flaschen bis jeweils 33 kg Füllgewicht
7.3 Flaschen in von außen zugänglichen Kästen oder Schränken untergebracht oder
7.4 Max. eine Flasche und eine Ersatzflasche bis jeweils 14 kg Füllgewicht in vom Fahrzeuginnenraum aus zugänglichen Kästen oder Schränken untergebracht
7.5 Ausreichende Sicherung der Flaschen gewährleistet, z.B. mittels Spannvorrichtungen
7.6 Zusätzliche Anforderungen bei Aufstellung in Kästen oder Schränken
7.6.1 Kästen, Schränke mit ausreichender Feuerwiderstandsfähigkeit
7.6.2 Kästen, Schränke dicht zum Fahrzeuginnenraum
7.6.3 Lüftungsöffnungen im Bodenbereich von mind. 100 cm²
7.6.4 Keine Zündquellen vorhanden
   
8. Druckregelgeräte mit Sicherheitseinrichtungen
8.1 Arbeitsdruck mittels Druckregelgerät auf Gasgerät abgestimmt, i.d.R. 50 mbar oder
8.2 Bei Heizanlagen in Fahrzeugen: Bei Einsatz von 30 mbar - Heizanlagen Arbeitsdruck mittels Druckregelgerät auf 30 mbar reduziert
8.3 Sicherheitseinrichtung gegen unzulässig hohen Druckanstieg vorhanden, z.B.
  • Druckregelgerät mit integrierter Überdrucksicherheitseinrichtung (→ Einsatz bis zu einer maximalen Entnahmemenge von 1,5 kg/h; z.B. für 11-kg-Flaschenanlagen)
  • Druckregelgerät mit Sicherheitsabsperreinrichtung (SAV) und Sicherheitsabblaseventil (PRV)
    (→ Einsatz vorzugsweise bei Entnahmemengen von mehr als 1,5 kg/h; z.B. bei 33-kg-Flaschenanlagen); Abblaseleitung ins Freie verlegt bei Installation Druckregelgerät mit SAV und PRV in Räumen oder in Fahrzeugen
   
9. Leitungen (Rohr-, Schlauchleitungen)
9.1 Vorzugsweise Einsatz von Rohrleitungen anstatt Schlauchleitungen
9.2 Rohr-, Schlauchleitungen gegen äußere Beschädigungen (chemische, thermische, mechanische) geschützt verlegt
9.3 Zusätzliche Anforderungen bei Einsatz von Schlauchleitungen, Schläuchen
9.3.1 Aus geeignetem Material, z.B. bei Einsatz im Freien vorzugsweise aus Gummi
9.3.2 Vorzugsweiser Einsatz von festgebundenen Schlauchleitungen; bei Einsatz von Schläuchen: Schläuche geeignet eingebunden; z.B. mittels Tüllen und fester Verpressung ggf. auch Schneckengewindeschellen oder Spannklemmen
9.3.3 Mit Druckklasse 30 (→ 30 bar) zwischen Flaschenabsperrventil und Druckregelgerät
9.3.4 Mit Druckklasse 10 oder 6 (→ 10 bar, 6 bar) zwischen Druckregelgerät und Gasgerät
9.3.5 Grundsätzlich max. 0,4 m lang
9.3.6 Bei Längen von mehr als 0,4 m Sicherheitsmaßnahmen eingehalten; z.B. der Einsatz von Schlauchbruchsicherungen
9.3.7 Keine Verlegung durch Wände, Decken oder dgl. sowie grundsätzlich nicht auf Fußböden in Arbeitsbereichen
9.3.8 Schläuche für besondere mechanische Beanspruchung bei Gefahr der Schlauchbeschädigung eingesetzt; z.B. bei Verlegung auf Fußböden in Arbeitsbereichen
   
10 Schlauchbruchsicherungen
10.1 Nenndurchfluss und Betriebsdruck abgestimmt auf Gasgerät und Druckregelgerät; z.B. 1,5 kg/h, 50 mbar
10.2 Funktionsfähigkeit gewährleistet (→ Herstellerangaben zur Einbaulage, zum Schlauchleitungsinnendurchmesser und zur maximalen Schlauchleitungslänge beachtet)
10.3 Installation von Schlauchbruchsicherungen bei Schlauchleitungen und Schläuchen länger als 0,4 m durchgeführt
   
11. Thermische Absperreinrichtung
11.1 In Gasleitungsanlagen in Räumen vorhanden (z.B. Küchen, Verkaufsräumen)
   
12. Geräte-Absperreinrichtungen, z.B. Schnellschlussventile
12.1 Vor jedem Gerät installiert
12.2 Leicht zugänglich erreichbar eingebaut
   
13. Gasgeräte
13.1 Mit CE-Zeichen und Kennnummer gekennzeichnet (für ab 01.01.1996 in Verkehr gebrachte Gasgeräte)
13.2 Mit DVGW-Zulassung (für vor 01.01.1996 in Verkehr gebrachte Gasgeräte)
13.3 Nur Gasgeräte mit Eingangsdruck von 50 mbar einsetzen (in Fahrzeugen: Heizanlagen auch mit Eingangsdruck 30 mbar)
13.4 Aufstellung standsicher
13.5 Zündsicherung vorhanden und funktionsfähig bei Betrieb in Räumen, Ständen, Zelten, Fahrzeugen etc.
13.6 Gerätespezifische Herstellerinformationen beim Betrieb von z.B. Terrassenheizstrahler, Infrarotstrahler, Katalytöfen beachtet
   
14. Verbrennungsluftversorgung, Abgasabführung, z.B. Küchen, Fahrzeiginnenraum
14.1 Ausreichende Verbrennungsluftversorgung sichergestellt, z.B. technische Lüftungseinrichtungen oder über Öffnungen ins Freie (bei Öffnungen ins Freie: Zwei ständig offene Lüftungsöffnungen in unterschiedlicher Höhe in gegenüberliegenden Wänden mit mind. 100 cm² Öffnung sowie Gasgeräte-Herstellerinformationen beachtet)
14.2 Geeignete Abgasabführung sichergestellt; z.B. über Dunstabzugsanlagen
   
15. Flaschenwechsel
15.1 Dichtheitsprüfung der nach dem Flaschenwechsel hergestellten Anschlussverbindung (Flaschenabsperrventil/Druckregelgerät bzw. Flaschenabsperrventil/Schlauchleitung) durchgeführt; Dichtheitsprüfung mittels z.B. Lecksuchspray unter Betriebsdruck (→ Flaschenabsperrventil geöffnet und Geräteabsperrarmatur geschlossen)
   
16. Lagern von Flüssiggasflaschen
16.1 Lagern grundsätzlich nur über Erdgleiche
16.2 Lagern in Verkehrswegen verboten (z.B. in Fluren, Treppenräumen, Garagen)
16.3 Lager ist dem allgemeinen Verkehr nicht zugänglich
16.4 Schutzbereiche eingehalten (siehe Abschnitt 12 der ASI), innerhalb der Schutzbereiche z.B. keine Zündquellen, keine tiefer gelegenen Bereiche, keine brennbaren Stoffe vorhanden
16.5 Zusätzliche Anforderungen bei Lagern in Räumen, z.B.
16.5.1 Ausreichende Be- und Entlüftung gewährleistet (technische Lüftung mit zweifachem Luftwechsel/Stunde oder Lüftungsöffnungen mit mind. 1/100 der Bodenfläche)
   
17. Austausch von Anlagenteilen (z.B. Druckregelgeräte, Schlauchleitungen, Schlauchbruchsicherungen, Absperreinrichtungen)
17.1 Austausch nach 8 Jahren durchgeführt oder ordnungsgemäße Beschaffenheit durch befähigte Person (Sachkundigen) bestätigt
   
18. Prüfungen
18.1 Prüfung der Flüssiggasanlage durchgeführt (stationäre Anlagen mind. alle 4 Jahre; ortsveränderliche Anlagen sowie Anlagen in fliegenden Bauten und in Fahrzeugen mindestens alle 2 Jahre erforderlich)
18.2 Prüfungen dokumentiert in Prüfbescheinigung
  • BGG 935 für Flüssiggasanlagen in Fahrzeugen
  • BGG 937 für stationäre, ortsveränderliche Flüssiggasanlagen sowie Anlagen in fliegenden Bauten
Autor: Hartmann
2015-2-25