9. Flüssiggasanlagen in Fahrzeugen und Anhängefahrzeugen

9.1 Flüssiggasanlagen zu Brennzwecken

Anzahl angeschlossener und bereitgehaltener Flüssiggasflaschen:

In Fahrzeugen bzw. Anhängefahrzeugen (nachfolgend Fahrzeuge genannt) dürfen

benutzt werden. Ausnahme: Feldkochherde dürfen mit maximal 4 Flüssiggasflaschen mit je bis zu 33 kg zulässigem Füllgewicht benutzt werden.

Die Unterbringung der Flüssiggasflaschen in Fahrzeugen ist wie folgt vorzunehmen:


Abb. 37: Von außen zugänglicher Kasten (Schrank) für Flüssiggasflaschen

Ausnahme: Nur eine Flüssiggasflasche und eine zur Reserve angeschlossene oder bereitgehaltene Flüssiggasflasche mit einem jeweiligen Füllgewicht bis 14 kg dürfen in vom Fahrzeuginnenraum aus zugänglichen Kästen oder Schränken untergebracht werden. Die oben genannten Anforderungen an z.B. die Feuerwiderstandsfähigkeit, die Lüftungsöffnungen der Kästen und Schränke sowie die Dichtheit der Kästen oder Schränke zum Fahrzeuginnenraum bleiben unberührt.

Gestaltung Kästen oder Schränke:

Kästen oder Schränke müssen eine ausreichende Feuerwiderstandsfähigkeit haben. Durch eine entsprechende Wärmedämmung (z.B. feuerhemmende Baustoffe) allseitig im Innern der Kästen oder Schränke zum Fahrzeug hin kann dies ermöglicht werden. Die Forderung nach ausreichender Feuerwiderstandsfähigkeit ist grundsätzlich erfüllt, wenn durch eine Brandeinwirkung vom Fahrzeug aus, für eine Zeit von mind. 20 Minuten durch die im Kasten oder Schrank eingebaute Flüssiggasflasche oder den Brenngastank keine zusätzlichen Gefährdungen ausgehen.

Die Forderung nach ausreichender Feuerwiderstandsfähigkeit schließt die

ein.

Eine bestimmte Feuerwiderstandfähigkeit

ist nicht zwingend erforderlich.

Besteht jedoch die Gefahr einer Unterfeuerung oder dergeleichen, sind im Bodenbereich ebenfalls Materialien mit ausreichender Feuerwiderstandsfähigkeit (vgl. Wände, Decke) und ggf. Lüftungsbausteine, Brandschutzklappen einzusetzen. Alle eingesetzten Materialien zur Wärmedämmung und zur Abdichtung müssen die oben genannten Brandschutzanforderungen gewährleisten.

Zusätzlich ist auch das Materialverhalten gegenüber betriebsbedingten Einflüssen zu berücksichtigen, wie u.a.

Lüftungsöffnungen in Kästen oder Schränken mit mindestens 1 % der Bodenoberfläche - jedoch nicht kleiner als 100 cm² Öffnung - sind ausreichend. Die Mindestgröße der Lüftungsöffnungen darf, z.B. durch Flüssiggasflaschen, nicht verringert werden (Abb. 39).

Flüssiggasflaschen müssen aufrecht stehend gesichert werden. Die Sicherung ist mittels Halterungen (z.B. Spannvorrichtungen) vorzunehmen, Abb. 38. Die Halterungen müssen fest mit dem Fahrzeug verbunden sein.

Von außen zugänglicher Kasten (Schrank) für Flüssiggasflaschen mit beispielhaften Möglichkeiten der Sicherung - Sicherung im oberen und unteren Bereich Abb. 38: Von außen zugänglicher Kasten (Schrank) für Flüssiggasflaschen mit beispielhaften Möglichkeiten der Sicherung - Sicherung im oberen und unteren Bereich

Rohrleitungen, -verbindungen und Schlauchleitungen:

Werkstoffe für Rohrleitungen sowie Rohrverbindungen sind unter besonderer Berücksichtigung der fahrzeugtypischen Beanspruchungen wie z.B. Vibrationen, Schwingungen, Erschütterungen auszuwählen. Geeignete Werkstoffe sowie zulässige Arten von Rohrverbindungen sind den einschlägigen Regelungen zu entnehmen.

Im Leitungssystem befindliche Verschraubungen, Übergänge etc. sind leicht zugänglich zu verlegen. Dies bedeutet, dass z.B. Dichtheitsprüfungen und Kontrollarbeiten an Verschraubungen oder Übergängen ohne den Gebrauch von Werkzeugen zur Demontage von Fahrzeugteilen möglich sind. Schlauchleitungen dürfen grundsätzlich nicht durch Wände, Decken, Böden oder dergleichen verlegt werden.

Absperreinrichtungen: Die Gaszufuhr zum Gasgerät muss leicht unterbrochen werden können. Bei angeschlossenen Flüssiggasflaschen in von außen zugänglichen Kästen oder Schränken ist dies durch das Vorhandensein und Betätigen einer leicht zugänglichen Absperreinrichtung im Fahrzeuginnenraum gewährleistet (z.B. Schnellschlussventil, Abb. 18). Jedes Gasgerät muss einzeln abgesperrt werden können. Alternativ kann die Installation einer Absperreinrichtung für alle Gasgeräte ausreichend sein.

Vor dem Befördern von Flüssiggasanlagen bzw. des Verfahrens der Fahrzeuge sind die Absperreinrichtungen der

zu schließen. Dies gilt nicht, wenn Geräte während der Beförderung mit Gas versorgt werden müssen und Sicherheitsmaßnahmen getroffen sind. Geeignete Sicherheitsmaßnahmen sind z.B. die Verwendung von automatisch wirkenden Abschalteinrichtungen, die im Falle eines unfallbedingten Leitungsabrisses die Gaszufuhr unterbrechen.

Immer einzuhalten sind zusätzlich die in den vorherigen Abschnitten genannten grundlegenden Schutzmaßnahmen wie u.a.

Weiterführende Anforderungen, z.B. zur Versorgung von Flüssiggas aus Brenngastanks oder zu den sog. „Tankflaschen“, sind den einschlägigen Regelungen zu entnehmen.



9.2 Lüftungsöffnungen im Fahrzeuginnenraum

Im Innenraum von Fahrzeugen und Anhängefahrzeugen, in denen Gasgeräte benutzt werden (z.B. in Verkaufsfahrzeugen, Wohnwagen mit Heizungsanlagen), müssen

vermieden sein. Deshalb muss der Fahrzeuginnenraum von Fahrzeugen und Anhängefahrzeugen durch ausreichend bemessene Lüftungsöffnungen be- und entlüftet sein.

Ausreichend sind grundsätzlich

Nicht ausreichend ist als alleinige Lüftungsöffnung die (geöffnete) Verkaufsklappe des Fahrzeuges. Die Verkaufsklappe ist über Nacht und in der Regel zumeist auch während vorbereitender Tätigkeiten (noch) geschlossen. Es fehlt also immer eine Lüftungsöffnung im Bodenbereich. Und bei vorbereitenden Tätigkeiten mit Betrieb der Gasgeräte bei geschlossener Verkaufsklappe ist vermutlich der erforderliche Luftwechsel keinesfalls gewährleistet.

Erforderliche Lüftungsöffnungen im Fahrzeuginnenraum mit Gasgeräten (Querlüftung) und im Aufstellungsraum der Flüssiggasflaschen
Abb. 39: Erforderliche Lüftungsöffnungen im Fahrzeuginnenraum mit Gasgeräten (→ Querlüftung) und im Aufstellungsraum der Flüssiggasflaschen

Empfohlene Mindestgrößen von Lüftungsöffnungen in Abhängigkeit der Gasgeräte und deren Anschlusswerte sind Tabelle 2 zu entnehmen. Zwei ständig offene Lüftungsöffnungen mit jeweils mindestens 100 cm² Öffnung bleiben jedoch unberührt.

Gasgeräte Anschlusswert Lüftungsöffnung
Kochgeräte mit offener Flamme je 100 g/h 50 cm2
Geräte (ausgenommen Kochgeräte) über 50 g/h Frischluft direkt aus dem Freien;
Abgase direkt ins Freie

Tabelle 2: Empfohlene Mindestgrößen von Lüftungsöffnungen

Ist ein ausreichender Austausch der Raumluft durch die natürliche Be- und Entlüftung über die Lüftungsöffnungen nicht gewährleistet, sind technische Lüftungsmaßnahmen erforderlich.

Die Lüftungsöffnungen müssen während der Benutzung der Gasgeräte vollständig offen gehalten werden. Insbesondere beim Kochen mit offener Flamme ist die zusätzliche Öffnung der Dachluke oder eines Fensters zu empfehlen.

Alle Lüftungsöffnungen sind regelmäßig zu reinigen.

Autor: Hartmann
2015-2-25