4. Flüssiggasflaschen (z.B. Dimensionierung Versorgungsanlage)

Es werden verschiedene Flaschengrößen eingesetzt, vorrangig mit

Der Inhalt der Flüssiggasflasche (z.B. voll, teil entleert) kann durch Wiegen auf einer Waage festgestellt werden.

Flüssiggasflaschen sowie auch stationäre Behälter und Fässer enthalten ausschließlich Propan (nach DIN 51622).

Eine rechtlich vorgegebene Farbkennzeichnung von Flüssiggasflaschen gibt es in Deutschland nicht. Die farblich (rote) Kennzeichnung der Flüssiggasflaschen basiert auf einer Industrie-Vereinbarung. Zumeist ist die Flüssiggasflasche auf der ganzen Flasche (Abb. 2) oder zumindest durch Anstrich des Flaschenfußes (Abb. 4) rot gekennzeichnet. Auch findet man z.B. orange oder grau gekennzeichnete Flüssiggasflaschen.

Es werden überwiegend Flüssiggasflaschen aus Stahl produziert und eingesetzt. Jedoch gibt es auch Flüssiggasflaschen in Leichtbauweise mit deutlich reduziertem Gewicht, z.B. aus Aluminium oder aus Kunststoff. Ein weiterer Vorteil der durchsichtigen Kunststoff-Flasche ist die visuelle Füllstandskontrolle.

Gasgeräte dürfen nur mit Flüssiggas aus der Gasphase betrieben werden. Die Gasentnahme darf also nur aus aufrecht stehenden Flüssiggas- bzw. Brenngasflaschen erfolgen. Daher ist es verboten, Gasgeräte an Treibgasflaschen oder an liegende Brenngasflaschen anzuschließen.

Hinweis:
Flüssiggasflaschen mit 11 kg Füllgewicht werden auch als Treibgasflaschen für speziell angetriebene Fahrzeuge (z.B. Gabelstapler) verwendet. Zur Vermeidung der Verwechselung mit den für Brennzwecke eingesetzten Flüssiggasflaschen sind in der Regel die Treibgasflaschen zum Schutz des Ventils mit einem 270°-Kragen ausgerüstet (Abb. 2). Bei Treibgasflaschen erfolgt die Entnahme grundsätzlich aus der Flüssigphase und ohne Druckregelgerät.

Da jedoch auch Brenngasflaschen mit Kragen ausgestattet sein können, ist eine abschließende Erkennung - Brenngasflasche oder Treibgasflasche - auf den Gefahrgutaufklebern der Flüssiggasflaschen (Abb. 3) möglich.

Bei der Wahl der Flaschengröße (z.B. 5-kg-, 11-kg- oder 33-kg-Flasche) spielt die Verdampfungsleistung eine entscheidende Rolle. 5-kg-, 11-kg- und 33-kg-Flaschen haben jeweils unterschiedliche Verdampfungsleistungen. Damit die benötigte Gasmenge mit dem erforderlichen Druck zur Verfügung steht, sind insbesondere die Anschlusswerte der Gasgeräte, die Betriebsdauer und die Außentemperatur zu berücksichtigen. Richtwerte zu Entnahmeleistungen aus Flüssiggasflaschen können aus Tabelle 1 abgelesen werden.

Entnahmeart bzw.
Belastungsmöglichkeit
in kg/h
Flaschengrößen
5 kg 11 kg 33 kg
Kurzzeitig bzw. bei stoßweiser
Entnahme (20 Min.)
1,0 kg/h 1,5 kg/h 3,0 kg/h
Periodisch bzw. bei 50 %
Unterbrechungen
0,5 kg/h 0,8 kg/h 1,8 kg/h
Dauerentnahme 0,2 kg/h 0,3 kg/h 0,6 kg/h

Tabelle 1 : Richtwerte zur möglichen Gasentnahme aus der Gasphase von Flüssiggasflaschen (Stahlflaschen)

Die Umrechnung der Leistungsdaten am Gasgerät (Angabe zumeist in kW) in kg/h Flüssiggas kann wie folgt vorgenommen werden:

Der Heizwert von 1 kg Propan entspricht 12,87 kWh, also 12,87 kWh/kg. Beispiel: Für ein Gasgerät mit einer Nennwärmebelastung von 7,5 kW ist ein Flüssiggasverbrauch von ca. 0,6 kg/h erforderlich (7,5 kW : 12,87 kWh/kg = 0,6 kg/h).

Die für dieses Beispiel benötigte Gasmenge kann bei Dauerentnahme

zur Verfügung stellen.

Bei kühler Witterung und insbesondere bei Entnahme großer Gasmengen kann schnell der Punkt erreicht werden, an dem die Flüssigkeit ("flüssige Phase") die Siedetemperatur unterschreitet und eine weitere Verdampfung bzw. Gasentnahme nicht mehr möglich ist. Durch Austausch einer dann irrtümlich als "leer" angesehenen Flasche kann sich bei nicht vollständig geschlossenem Flaschenventil eine gefährliche Situation ergeben. Infolge weiterer Wärmezufuhr durch die Umgebungsluft setzt die Verdampfung wieder ein und gasförmiges Flüssiggas tritt unkontrolliert bzw. unbemerkt aus. So ereigneten sich bereits einige Unfälle mit schweren Personenschäden.

Eine Unterkühlung, sichtbar durch Reif oder Vereisung an der Flasche, ist z.B. durch ausreichend dimensionierte Versorgungsanlagen (einzelne Flaschen mit größerem Inhalt oder Mehrflaschenanlagen) zu vermeiden. Eine Flüssiggasflasche mit Reifansatz zeigt Abb. 4.

Vereisungen, die infolge zu hoher Gasentnahme an Flüssiggasflaschen entstanden sind, sind nur durch langsames Auftauen zu beseitigen. Zum Auftauen können z.B. warmes Wasser oder Heißluft verwendet werden, wobei die Erwärmung des Flüssiggases in der Flasche maximal 40 °C betragen darf. Unzulässig sind Zündgefahren wie z. B. offenes Feuer, glühende Gegenstände und Wärmestrahler.


Abb. 4: Flüssiggasflasche mit Reifansatz; Flasche mit nicht geeignetem Druckregelgerät und unzureichende Aufstellung (verbotene Aufstellung im Verkehrsweg, Stolperstellen durch Schlauchleitungen)

Da Flüssiggas bei der Verdampfung eine erhebliche Wärmemenge verbraucht, kann es zu Kälteverbrennungen kommen, wenn Flüssiggasspritzer auf die Haut des Menschen treffen und dort verdampfen. Bei Gefahr von Kälteverbrennungen (z.B. beim Füllen von Treibgastanks) sind Schutzhandschuhe aus Leder zu tragen.

In den Regelwerken werden Flüssiggasflaschen als ortsbewegliche Druckgeräte oder auch als Druckgasbehälter bezeichnet.

Autor: Hartmann
2015-2-25